CDU diskutiert Wege aus der Wohnungskrise
Wohnen ist ein Thema, das die Menschen bewegt – und das ganz unmittelbar den Geldbeutel betrifft. „Niemand sucht nur eine nachhaltige, sondern vor allem eine bezahlbare Wohnung“, brachte es der baupolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Frölich, beim Diskussionsabend „Ohne Meister keine Miete – Wie das Handwerk den Wohnungsmarkt bewegt“ auf den Punkt.
Der Kreishandwerksmeister und Diplom-Wirtschaftsingenieur war eigens auf Einladung der Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann aus Duderstadt in den Landkreis Rotenburg angereist, um zu erläutern, warum Wohnraum derzeit so teuer ist, was es mit dem sogenannten Bauüberhang auf sich hat und wie der „Bau-Turbo“ der Bundesregierung tatsächlich wirken könnte.
Wohnraumkrise: Genehmigt, aber nicht gebaut
Aktuell gibt es in Deutschland einen Bauüberhang von rund 830.000 Wohnungen. Gemeint sind Projekte, die genehmigt, aber aus Kostengründen oder wegen Planungsunsicherheiten nicht umgesetzt werden. „Das ist der höchste Stand seit 20 Jahren“, erklärte Frölich, denn 2015 betrug der Bauüberhang beispielsweise noch etwa 320.000 Wohnungen.
In seinem Impuls machte der 57-Jährige anhand von fünf Punkte deutlich, warum das Bauen derzeit stagniert. Zuerst nannte er die Baukosten. Innerhalb von fünf Jahren seien diese um rund 40 Prozent gestiegen. Wirtschaftlich wären vor diesem Hintergrund Kaltmieten von 17 bis 20 Euro pro Quadratmeter nötig, „das kann niemand bezahlen“. Auch die Zinsentwicklung mache viele Projekte untragbar. Ein weiteres Problem sei fehlende Planungssicherheit, weil Förderbedingungen häufig geändert werden und Fördertöpfe schnell ausgeschöpft seien. Immer neue Standards und Auflagen trieben die Preise zusätzlich in die Höhe. Und auch der Fachkräftemangel wirke sich aus: Die duale Ausbildung müsse endlich wieder denselben gesellschaftlichen Stellenwert bekommen wie ein Studium. Hinzukommt, dass nur noch 20 Prozent der Meisterabsolventen sich heute selbstständig machen wollen – eine Entwicklung, die langfristig soziale Strukturen, aber vor allem auch Arbeitsplätze gefährdet.
Kommunen als Partner statt Bremser
Besonders deutlich wurde: Ohne die Kommunen geht es nicht. „Wir brauchen Kommunen, die Partner sind und keine Bremser“, betonte der CDU-Politiker. An die Bürgermeister und Ratsmitglieder im Publikum richtete der Referent daher einen leidenschaftlichen Appell: „Hören Sie auf, in Bebauungspläne jede Kleinigkeit hineinzuschreiben – selbst Toiletten auf Spielplätzen. Das macht Grundstücke und damit Wohnen teuer.“
Lösungen statt Symbolpolitik
Aus Sicht der CDU müsse das Bauen wieder bezahlbar und planbar werden. „Wir müssen Ökonomie und Ökologie verbinden. Das ist für mich kein Widerspruch, das ist unsere DNA als CDU“, so Frölich. Das Wort „bezahlbar“ müsse vorneweg stehen. Die Schaffung von 10.000 geförderten Wohnungen durch die landeseigene WohnRaum Niedersachsen GmbH sei zwar ein Ansatz, aber: „Warum gibt man die Mittel nicht an regionale Wohnungsbauunternehmen und Genossenschaften, die schneller und flexibler bauen können?“ Auch die Ausweitung der Mietpreisbremse sieht die CDU kritisch: Sie führe dazu, dass Sanierungen aufgeschoben würden – mit negativen Folgen für den Wohnungsmarkt.
Ein wichtiger Vorschlag aus CDU-Sicht: Ein Förderprogramm für die Mitte der Gesellschaft, also für Wohnungen mit Mieten zwischen neun und elf Euro pro Quadratmeter.
Baurecht, Bürokratie und Vertrauen
Ausführlich ging Frölich auf die aktuelle Novelle der niedersächsischen Bauordnung ein. Vieles davon sei hilfreich, insbesondere die Ausweitung verfahrensfreier Maßnahmen – etwa für Garagen, Terrassenüberdachungen, Wintergärten, Dachgauben oder kleinere Energieanlagen. Auch die Verkürzung von Grenzabständen zur besseren Nachverdichtung bewertete er positiv. Gleichwohl gebe es Punkte, die in der Praxis weiterhin zu Diskussionen führten, etwa der Wegfall von Stellplatzpflichten bei größeren Wohneinheiten. „Nicht alle haben ein Lastenrad“, merkte er dazu augenzwinkernd an. Entscheidend sei, Vertrauen in die Praxis zu schaffen: „Wir brauchen eine neue Fehlerkultur – wenn die Leute Angst haben, Fehler zu machen, die Geld kosten, dann wird niemand Verantwortung übernehmen.“
Der Bau-Turbo der Bundesregierung
Seit dem 30. Oktober gilt der sogenannte „Bau-Turbo“ der Bundesregierung. Er ermöglicht unter anderem, vom Planungsrecht befristet abzuweichen, Nachverdichtungen zu erleichtern und Bauprojekte schneller umzusetzen. Der baupolitische Sprecher betonte, dass dies eine Erleichterung für private Bauträger, Investoren und Wohnungsgenossenschaften darstellt und als Beschleuniger für den Wohnungsbau wirken kann.
Handwerk als Rückgrat der Bauwirtschaft
Das Thema zog sich wie ein roter Faden durch den Abend: Ohne das Handwerk geht beim Wohnungsbau nichts. Niedersachsen sei ein Mittelstandsland: 75 Prozent der Beschäftigten im Baugewerbe arbeiten in Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern.
Umso wichtiger sei es, jungen Menschen wieder Lust auf das Handwerk zu machen und Betriebsnachfolgen zu entbürokratisieren. „Wir müssen die Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen stärken, Werkräume modernisieren, unternehmerisches Denken fördern und die Ausbildungsfähigkeit verbessern“, forderte der CDU-Politiker.
Der Wohnungsbau braucht Mut, Vertrauen und Partner auf allen Ebenen. Dass Christian Frölich noch am selben Abend nach Duderstadt zurückkehrte, um am nächsten Morgen pünktlich um sechs Uhr wieder auf dem Hof zu stehen und seine Leute für die Baustellen einzuteilen, unterstrich: Ein Handwerker durch und durch – bodenständig, glaubwürdig und mit Herzblut dabei. Marco Mohrmann und Eike Holsten dankten ihm für einen tollen Impuls und machten noch einmal Lust auf die Kommunalwahlen 2026 und darauf, sich zu engagieren.





Fotos: Baraz