CDU-Landtagsabgeordneter Eike Holsten besucht Sanitätshaus Rohde
Schleifen, anpassen, messen: In der Werkstatt im Sanitätshaus Rohde entsteht Versorgung in echter Handarbeit. Was auf den ersten Blick traditionell wirkt, ist in Wahrheit hochmoderne Orthopädie- und Rehatechnik, bei der Präzision, Technikverständnis und der Blick für den Menschen zusammenkommen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Eike Holsten hat sich bei einem Besuch ein Bild von dem Familienunternehmen gemacht und ist dabei mit Branchenvertretern ins Gespräch gekommen.
Das Unternehmen in der Rotenburger Innenstadt wurde 1948 als Familienbetrieb gegründet, 2018 von der Familie Schindeler aus Hamburg übernommen, umfassend modernisiert und insbesondere in der Orthopädie- sowie Rehatechnik stark ausgebaut. Von Rotenburg aus werden Patientinnen und Patienten bis nach Bremen und in die Region versorgt. 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind allein hier beschäftigt. Weitere Standorte bestehen in Hamburg und Bremen, erzählen Lene Schindeler und ihr Co-Geschäftsführer Jeff Herrlich ihrem Besuch.
Hightech am Menschen
Eike Holsten zeigte sich sichtlich beeindruckt vom handwerklichen Können und der technischen Bandbreite: „Mir war wichtig zu sehen, was hier täglich geleistet wird. Das zeigt, wie anspruchsvoll und zugleich unverzichtbar diese Form der Versorgung ist.“ Ihm sei es ein Anliegen, solche Eindrücke aus der Praxis mitzunehmen. Als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in Niedersachsen sei er landes- und bundesweit mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Austausch, um genau diese Themen aus der Fläche in die politische Diskussion einzubringen, insbesondere den Abbau von Bürokratie, die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit Anbindung an die Telematikinfrastruktur sowie die Entlastung der Betriebe bei Prüf- und Abrechnungsverfahren.
Deutlich wurde die angespannte Situation der Branche. Der Fachkräftemangel sei spürbar. Nachwuchs wird überwiegend selbst ausgebildet, auch Quereinsteiger werden qualifiziert. Gleichzeitig gibt es nur eine Fachschule in Hamburg für mehrere Bundesländer. Auf Berufsmessen in der Region ist das Sanitätshaus Rohde präsent und wirbt aktiv um Nachwuchs. „Es gibt zu wenige Fachkräfte und die Konkurrenz durch andere Branchen ist groß“, macht Dr. Torben Bathke, Geschäftsführer der Innung für Orthopädie-Technik Niedersachsen/Bremen deutlich. Ausgelernte Fachkräfte starten mit rund 2.600 bis 2.800 Euro brutto. Gleichzeitig steigen Lohn- und Betriebskosten, während die wirtschaftlichen Spielräume begrenzt seien, erklärt auch Jens Wiegmann, Obermeister der Innung für Orthopädie-Technik Niedersachsen/Bremen. Industriebetriebe werben zudem gezielt mit kurzen Umschulungen handwerklich und technisch versierte Kräfte ab.
Warum Orthopädie-Handwerk Entlastung braucht
Auch die strukturellen Belastungen wurden deutlich. So treffen steigende Kosten auf enge Vergütungsrahmen. Häufig gehen Betriebe in Vorleistung, versorgen Patientinnen und Patienten direkt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und warten anschließend bis zu zwei Monate auf Genehmigungen der Kassen. „Helfen ist unser Handwerk“, macht Inhaberin Schindeler diesen Konflikt deutlich, „und vor allem steht der Mensch bei uns im Mittelpunkt, auch wenn immer mehr Zeit für Dokumentation, Nachweise und Genehmigungen statt für die eigentliche Versorgung aufgewendet werden muss. Aber wir versorgen ohne doppelten Boden.“ So beschreibt sie den Umstand, dass Sanitätshäuser den Patientinnen und Patienten sofort helfen, wenn Versorgung gebraucht wird und damit in Vorleistung auf ihr eigenes Risiko gehen.
Großen Raum nahm auch der Bereich der Digitalisierung ein. Obwohl Orthopädietechniker interdisziplinär mit Ärzten sowie Physio- und Ergotherapeuten arbeiten, laufen viele Abstimmungen noch analog. Die Anbindung an die Telematikinfrastruktur mit elektronischer Patientenakte und elektronischer Verordnung sei überfällig, erklärt Bathke. „Wir könnten deutlich effizienter sein, wenn alle Beteiligten digital vernetzt wären“, fügt Lene Schindeler hinzu. Weitere Forderungen sind klar formuliert: Weniger häufige Präqualifizierungsprüfungen, ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Hilfsmittel, bundesweit einheitliche Rahmenvorgaben sowie vollständig digitale Abrechnungsprozesse.
Eike Holsten erkundigte sich zudem nach der Krisenresilienz der Branche. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie systemrelevant Sanitätshäuser und Orthopädietechnik seien. Rund 25 Prozent der Menschen kommen zudem im Laufe ihres Lebens mit dieser Versorgung in Berührung. Am Ende steht ein gemeinsames Fazit: Dieser hochspezialisierte Beruf ist unverzichtbar für die Versorgung der Menschen, braucht aber dringend weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und bessere Rahmenbedingungen, damit weiterhin das im Mittelpunkt stehen kann, worauf es hier ankommt: der Mensch.

Zu Besuch im Sanitätshaus Rohde in Rotenburg: Austausch über Handwerk, Versorgung und die dringend notwendige Entlastung von Bürokratie im Gesundheitswesen: Das Foto zeigt (von links): Eike Holsten, Jens Wiegmann, Jeff Herrlich, Lene Schindeler und Torben Bathke.
Foto: Baraz